Zur Hauptnavigation Zur Navigation der Unterseiten von Bereich 2: Über uns Zum Inhalt

Leichte Sprache <kommunikationskultur.at>.

Wie schreibe ich einfach?.

Seiten: 1 ¦ 2 ¦ 3

Regeln der Leichten Sprache.

Wie gezeigt fordert die Übersetzung eines normalsprachlichen Textes in Leichte Sprache die grundlegende Neugestaltung der sprachlichen Form unter exakter Beibehaltung des vorgegebenen Sinngehalts.

Die sprachliche Neuordnung orientiert sich dabei eben an den Grundregeln stilistischer Einfachheit, die Allgemeinverständlichkeit garantieren sollen: kurze Satzteile, aktive Verben, keine Satzverschachtelungen. Semantische Redundanzen werden vermieden: anstelle wörtlicher Wiederholungen steht vielmehr die sinngemäße Wiederholung wichtiger Textinformation; der Einsatz unterschiedlicher Begriffe für denselben Sachverhalt soll die Verstehenschance beim Rezipienten erhöhen.

Der Vereinfachung auf sprachlicher Ebene korrespondiert die klare kognitive Strukturierung des Textes: so sollen Hervorhebungen und Zwischentitel die Orientierung im Text erleichtern; die Zusammenfassung auf kompakte abgeschlossene Sinneinheiten schließlich ermöglicht die Konzentration auf Kernaussagen des Textes. Komplexe Sachverhalte werden zusätzlich durch alltagsnahe Beispiele erläutert.

Zur praktischen Handhabung dieser Regeln Leichter Sprache ein Anwendungsbeispiel: der folgende Text entstammt dem österreichischen Bundesbehindertengleichstellungsgesetz.

»Ziel des Bundesgesetzes ist es, die Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen zu beseitigen oder zu verhindern und damit die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am Leben in der Gesellschaft zu gewährleisten und ihnen eine selbstbestimmte Lebensführung zu ermöglichen. (...) Auf Grund einer Behinderung darf niemand unmittelbar oder mittelbar diskriminiert werden. (...) Barrierefrei sind bauliche und sonstige Anlagen, Verkehrsmittel, technische Gebrauchsgegenstände, Systeme der Informationsverarbeitung sowie andere gestaltete Lebensbereiche, wenn sie für Menschen mit Behinderungen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind.«

Von uns in Leichte Sprache umgesetzt, verändert der Text seine sprachliche wie formale Gestalt:

Was ist das Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz?

Seit 1. Jänner 2006 gibt es in Österreich ein neues Gesetz.
Das Gesetz heißt »Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz«.
Es befasst sich mit dem Leben behinderter Menschen.

Was besagt das Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz?

Alle Menschen sollen in ihrem Leben die gleichen Möglichkeiten und Chancen erhalten. Jeder soll über sein Leben frei bestimmen können.
Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Zum Beispiel: mehrere Menschen bewerben sich um eine Arbeitsstelle.
Einige haben eine Behinderung.
Die Behinderung darf bei der Stellenvergabe keine Rolle spielen.
Wer die beste Arbeit leistet, soll die Stelle bekommen.

Was ist Barrierefreiheit?

Barrieren sind Grenzen oder Hindernisse.
Barrieren kann es überall geben: im Straßenverkehr, in der Arbeitswelt, im Internet oder in Gebäuden.
Zum Beispiel: Für Menschen im Rollstuhl sind Stufen oder enge Türen Barrieren.

Barrierefreiheit bedeutet: ohne Grenzen.
Was von einem Menschen mit Behinderung ohne fremde Hilfe benutzt werden kann, ist barrierefrei.

Zum Beispiel: Für Menschen im Rollstuhl sind Häuser mit Fahrstühlen und breiten Türen barrierefrei.

nach oben

Einige knappe Anmer.kungen zur Übersetzung

Der extrem formalisierte Gesetzestext wurde in drei Sinnbündel zerteilt; die drei in Frageform formulierten Überschriften leiten den Leser durch den Text, der mit einer allgemeinen Einleitung beginnt. Die Aussagen des Ursprungstextes zur Diskriminierung wurden durch den Begriff »benachteiligen« ersetzt bzw. mit der Formulierung »gleiche Möglichkeiten und Chancen« positiv umschrieben; die Doppelung »Möglichkeiten und Chancen« ist eine Tautologie - Ziel des Doppelausdrucks ist es eine breite Verständlichkeit sicherzustellen: während etwa für ältere Leser das deutsche ›Möglichkeit‹ eher verständlich sein kann, ist für den Nutzer mit nicht-deutscher Muttersprache tendenziell der weitgehend internationalisierte Begriff ›Chance‹ verstehbar. Außerdem wurde durch die allgemein gehaltenen Formulierungen ›Menschen mit Behinderung‹ bzw. ›Menschen im Rollstuhl‹ dem Grundsatz der Geschlechtsneutralität Rechnung getragen, ohne die Grundsätze der Leichten Sprache zu verletzen - etwa durch Verwendung des ›Binnen-I‹, das einerseits den Lesefluss behindert, und zugleich - gegen den landläufigen Glauben - schlichtweg falsch ist, insofern es weder den alten noch den neuen Rechtschreibregeln entspricht (siehe Wikipedia).

Die komplexe Erläuterung des Gesetzestextes zum möglichen Auftreten von Barrieren - bei "technischen Gebrauchsgegenständen, Systemen der Informationsverarbeitung" usw. - wurde auf alltägliche Bezugspunkte - Straßenverkehr, Gebäudegestaltung etc. - umgelegt. Schließlich wurde die theoretische Darstellung durch praxisbezogene Beispiele erläutert.

Ein abschließendes Wort zur formalen Aufbereitung Leichter Sprache - wir sehen den aktuellen, speziell für Kinder erstellten Netzauftritt kinder-burg-forchtenstein.at.

Screenshot Flash, 120 KB!

Auch der sprachlich verständlichste Text aber findet keine Leser, wenn seine graphische Darstellung nicht der sprachlichen Zielgruppe angepasst wird. So etwa sind für Benutzergruppen mit geringer Lesekompetenz Abweichungen vom gängigen Schriftbild - Verzerrungen der Buchstaben, stark akzentuierte Serifen usw. - kaum zugänglich. Die angebotene Bastelanleitung - die hier im Übrigen nicht verkleinert, sondern tatsächlich in Originalgröße dargestellt ist - ist sprachlich einigermaßen tauglich, aufgrund des extrem verzerrten Schriftbilds für die eigentliche Zielgruppe - Kinder im Volksschulalter - allerdings kaum lesbar.

Geschätzte Damen und Herren,
auch wenn dieser Vortrag sich auf metasprachlicher Ebene bewegt, folglich den Kriterien Leichter Sprache nicht genügen kann, so gilt doch in jedem Fall: Verständlichkeit ist die Grundvoraussetzug aller Kommunikation. Nur wo erfolgreich, d .h. zielgruppenadäquat kommuniziert wird, können potentielle Kunden erreicht, Informationen vermittelt und Produkte verkauft werden.

Kurz: jeder Netzauftritt ist nur so gut wie seine sprachliche Aufbereitung.


Seiten: 1 ¦ 2 ¦ 3


nach oben

Navigation Unterseiten von Bereich 2: Über uns.