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Leichte Sprache <kommunikationskultur.at>.

Wie schreibe ich einfach?.

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Leichte Sprache-Version von ojm.at.

Meine beiden Kollegen, Elke Mayer und Christopher Meiller, haben die Leichte Sprache-Version der Website des Österreichischen Jüdischen Museums erstellt. Diese Version ist ein Beispiel für hohe Komplexität, wobei sich "komplex" mehr auf die Entstehung des Produkts und weniger auf das Produkt selbst bezieht. Komplex deshalb, weil die Sprache allgemein und damit auch die Leichte Sprache im Falle eines jüdischen Museums naturgemäß historisch, religiös und politisch konnotiert. Genau das bedeutete für uns auch die eigentlich spannende Herausforderung. Somit unterscheidet sich die Sprachversion inklusive der Leichte Sprache-Version eines jüdischen Museums von der eines beliebig anderen Museums (über Mozart z. B.) dadurch, dass bei letzteren sprachliche äußerungen wohl kaum in erster Linie mit den Maßstäben der Pietät oder der political correctness gemessen werden.

Es ist hier nicht Platz für eine umfangreichere Abhandlung über technische Quelltextspezifika in einer Leichte Sprache-Version. Grundsätzlich sollte aber - vielleicht ein wenig provokant formuliert - die Notwendigkeit für Auszeichnungen wie acronym, abbr, Sprachauszeichnungen etc. bei Leichte Sprache-Versionen gegen Null tendieren. Der Verzicht darauf würde nicht nur eine gelungenere Leichte Sprache-Version sozusagen belegen, sondern etwa auch die Erstellung für Redakteure, die keine Techniker sind, erleichtern. Wirklich gefährlich und kontraproduktiv wird es, wenn versucht wird, Leichte Sprache mit vielen Auszeichnungen zu kompensieren ... das wäre dann genauso wenig Leichte Sprache wie eine reine Textversion barrierefrei ist.

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Grundsätzliches zum status quo der Leichten Sprache.

Die Grammatik der Leichten Sprache wird sich weitgehend in den Grenzen des traditionellen Modells der Syntax bewegen, wenn auch mit speziellen Einschränkungen. Dem größten Defizit des traditionellen Modells (also jenes Modells, das wir Platon und Aristoteles verdanken, Stichwort: Duden), dass nämlich der grammatische Subjekt-Prädikat-Kern eines Satzes sehr häufig kein sinnvoller Satz ist, diesem Defizit muss in der Leichten Sprache ein deutlich höheres Augenmerk zukommen.

In diesem Zusammenhang darf auch an das Organon-Modell des Entwicklungspsychologen und Sprachphilosophen Karl Bühler erinnert werden, in dem es um die Wortbedeutungen geht.

Bühler nennt in seinem schon 1934 erschienen Klassiker »Sprachtheorie. Die Darstellungsfunktion der Sprache« die verschiedenen Bedeutungsaspekte: Symptom, Appell bzw. Signal und Symbol.

Und in der Tat: Sprache muss schon umfassend und nicht nur vage verstanden und begriffen werden, will man Webangebote nicht am Benutzer vorbei formulieren. Gute Kommunikation funktioniert nur, wenn Sender und Empfänger alle Bedeutungsebenen eines Zeichens (nach Organon-Modell) verstehen. Typisch für die meisten Websites ist etwa das Zeichen ›Über uns‹.

Vgl. dazu besonders Thomas Wirth, Missing Links // Über gutes Webdesign, 2. erweiterte Auflage, München 2004.

Insbesondere in der Leichten Sprache muss der Leser (= Empfänger) die Symbolkomponente klar verstehen können, da sonst Symptom und Signal nicht ankommen können.

Weiters wird insbesondere die Leichte Sprache hinkünftig nicht mehr ohne exakte Funktionsanalyse der Wörter und Satzteile auskommen, das heißt, es muss ein hinreichend präzises begriffliches Instrumentarium entwickelt werden, weitaus präziser, als wir es in den traditionellen grammatikalischen Kategorien gewohnt sind. Bei allem Respekt vor Wörterbüchern der Leichten Sprache, und es ist schon sehr gut, dass solche entwickelt werden, nur reichen kann das sicher nicht.
In den natürlichen Sprachen kommen eben viele Ausdrücke vor, die grammatikalisch zwar wohlgeformt, aber bedeutungslos sind, die zwar syntaktisch richtig, semantisch aber ohne Bedeutungen sind!

Ernst genommene Leichte Sprache bedeutet die Vermeidung von strukturellen Mehrdeutigkeiten, insbesondere von semantischen Mehrdeutigkeiten (›Fritz singt eine Arie‹ oder ›Fritz singt vor der Polizei‹ oder ›Hans kauft die Zeitung um 2 Euro‹ oder ›Hans kauft die Zeitung um 21 Millionen Euro‹):

»SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Doris Bures warf daraufhin der ÖVP ›Arroganz‹ vor. Die Volkspartei glaube, Zeitungen kaufen zu können. Bures meinte, die Volkspartei wende 21 Millionen Euro auf ...«

Quelle: ORF.

Es kann also nicht ohne weiteres ein Wort der natürlichen Sprache mit einem Leichte Sprache-Wort (Leichte Sprache immer verstanden als Sprachschicht einer natürlichen Sprache) ausgetauscht werden!

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Aus dem Nähkästchen geplaudert.

Anlässlich einer größeren Veranstaltung, die ich hier aus Datenschutzgründen nicht näher nennen möchte, hatte ich die kleine Aufgabe, ein interaktives Anmeldeformular mit allen üblichen Leistungen wie Feedbackmail, Fehlerroutine etc. bereitzustellen. Jetzt mal abgesehen von den Kundenwünschen war es mir natürlich wichtig, das Formular möglichst barrierearm und benutzerfreundlich zu gestalten.

Der Adressat war im konkreten Fall ziemlich eindeutig: deutschsprachig, aus Österreich, der Schweiz, Deutschland, Ungarn, Slowakei, Südtirol, Kroatien und Slowenien, zu 99% Akademiker bzw. und imstande, mehrere Zeilen Text sinnverstehend zu lesen!

Ebenso eindeutig sind meine Erfahrungen mit der betreffenden Branche in Österreich: oft älteres Semester, PC bestenfalls Klasse Pentium 1, nicht kalibrierter 15Zoll Bildschirm, kaum Erfahrungen mit dem Medium Internet ... soweit zu den Barrieren, auf die versucht wurde, so gut es geht, Rücksicht zu nehmen.

Die Erfahrungen waren trotzdem ernüchternd: Ein unverhältnismäßig hoher Anteil (um die 50%!) scheiterte schlicht und einfach am korrekten Ausfüllen des Formulars ... gut dass Felder wie Postleitzahlen nicht abgefragt wurden, weil von 10 x 4020 Linz 7x 4o2o Linz (statt Ziffer ›0‹ Buchstabe ›o‹) verwendet wurde, jeder 2. Anmelder / jede 2. Anmelderin schickte das Formular 3-4 Mal ab, obwohl mit strong gekennzeichnet gebeten wird, nur einmal ›Absenden‹ zu klicken und schließlich trugen die radio buttons, die, soll das ganze xhtml-konform sein, einen vorselektierten Button (checked) verlangen, zum finalen Scheitern bei:

»Ich möchte gerne an beiden Empfängen teilnehmen, das lässt sich aber in Ihrem Formular nicht anklicken.«

Rechtliche Grundlagen.

Hinzu tritt eine rechtliche Komponente: bereits in mehreren Ländern existiert eine gesetzliche Verpflichtung zur barrierefreien Gestaltung für Internetauftritte von Behörden. So fordert in Österreich das 2004 in Kraft getretene E-Government-Gesetz die barrierefreie Umgestaltung sämtlicher Behördenseiten bis spätestens 2008; das ab 2006 geltende Behindertengleichstellungsgesetz verlangt darüber hinaus den umfassenden Abbau von Diskriminierungen in allen Lebensbereichen - auch für das Internet - und ermöglicht etwa auch Schadensersatzforderungen, für den Fall, dass private (also: nicht-behördliche) Webauftritte nicht barrierefrei gestaltet bzw. deren Inhalte ebendeshalb nicht zugänglich sind. Wer heute die Gestaltung einer neuen Website in Auftrag gibt, ist also gut beraten, die Anforderungen der Barrierefreiheit zu beachten - das heißt auch: Angebote in Leichter Sprache zur Verfügung zu stellen.

Grundsätzlich gilt dabei: die allermeisten Barrieren im Internet verdanken sich keinen unvermeidlichen technischen Einschränkungen, sondern werden durch mangelnde Information bei Programmierern, Webdesignern und Entscheidungsträgern verursacht. Selbstverständlich können Mängel auch an bereits bestehenden Seiten in der Regel beseitigt werden; bei neuen Netzauftritten müssen die Standards der Barrierefreiheit freilich sinnvollerweise bereits in der Konzeption berücksichtigt werden.

(beide Empfänge war vorselektiert: Screenshot Formular).

Was hat das ganze mit Leichter Sprache zu tun? Zunächst, weil außer den Kontaktdaten 4 einfache und kurze Auswahlfragen gestellt wurden, in denen die gewünschte Antwort angehakt werden musste. Etwa jede 5. Anmeldung wurde mit nachträglichem Korrekturmail berichtigt - dabei wurden bis zu drei Antworten korrigiert, die 4. war meist zufällig die ohnehin schon vorselektierte. Der Schluss daraus: Weder Fragen noch Antworten wurden gelesen, oder wurden sie nicht verstanden?

Gut, dass es ein Feedbackmail gab, in dem alle Antworten penibel aufgelistet waren. Denn dadurch konnten die User überhaupt reagieren, die nach dem Abschicken des Formulars im Browser noch sichtbaren ausgefüllten Daten wurden praktisch ausnahmslos ignoriert.

Und, wie sage ich dem p.t. Benützer, dass bei Auswahlmöglichkeiten eine Möglichkeit vorselektiert sein muss und er diese, so er sich dafür entscheidet, nicht extra anklicken muss, weil sie ja schon angeklickt ist? Wie sage ich das so, dass das möglichst alle verstehen, wie sage ich das ohne Textwülste oder zusätzliche von niemandem gelesene Formularausfüllhilfetexte zu produzieren?

Das ganze erreicht schon fast statistische Relevanz, es handelte sich bis zum heutigen Tag um 140 Anmeldungen.

Mit dem Beispiel sollte nur aufgezeigt werden, dass Sensibilität für Sprache und Formulierung auch in Bereichen notwendig ist, in denen wir vielleicht prima vista nicht daran denken.

In einer jüngst erschienen Rezension des barrierekompass des Wörterbuchs für Leichte Sprache wird ein Zitat aus den europäischen Richtlinien als vielleicht bedeutendste Erkenntnis aus dem Wörterbuch für Leichte Sprache gehalten.

"Die Frage, ob ein Text leicht lesbar oder verständlich ist, hängt sehr von den Fähigkeiten und Erfahrungen der Leserinnen und Leser ab. Das Konzept der ›leichten Lesbarkeit‹ kann deshalb nicht universal sein. Es wird nicht möglich sein, einen Text zu verfassen, der den Fähigkeiten aller Menschen mit Lese- und Verständnisproblemen entspricht."

Ist das wirklich eine so bedeutende Erkenntnis? Oder ist das Zitat nicht eher ein wenig beliebig und Allgemeinplatz? Und gilt das Gesagte nicht ohnehin für jede Kommunikationsform?

Gibt es aber nicht doch Regeln, die weitgehend sicherstellen, dass ein Text von allen verstanden wird?

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